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Junger Film in Central Asien, Artikel
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Filmfestival Yosh Kino 2003 in Taschkent
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Junger Film in Zentralasien
 

Botir ist 21 und lebt in Usbekistan. Vor fast vier Jahren hat er seine Familie in den Bergen verlassen, um in Taschkent an der einzigen Filmhochschule Zentralasiens Regie zu studieren. Er steht kurz vor dem Abschluß seines Studiums und schon jetzt kann er auf Erfolge zurückblicken. Auf dem Eurasia-Filmfestival in Almaty erhielt er im Jahr 2001 eine Auszeichnung für das Aufgreifen eines wichtigen sozialen Themas und auf dem Filmfestival Yosh Kino 2003 in Taschkent erhielt er den Preis für originelle Umsetzung einer umweltpolitischen Thematik. Was er jedoch nach und mit seinem Abschluß machen wird, weiß er noch nicht zu sagen. Da ihm verwandtschaftliche Verbindungen ins usbekische Filmgeschäft fehlen, bleibt ihm kaum eine Hoffnung auf eine professionelle Fortsetzung seines Berufes, seiner Berufung. Die dort ohnehin spärlichen Plätze und finanziellen Mittel sind fest in der Hand derer, die ihre Ausbildung und Positionen bereits zu Sowjetzeiten genossen. Und auch sie sind nicht gerade von Terminstress geplagt. Film steht nicht mehr hoch im Kurs bei den Mächtigen in den Republiken Zentralasiens.

Dabei könnte alles anders sein. Zu Zeiten der Sowjetunion erfreute sich die Stadt Taschkent einer besonderen Beachtung durch Moskau. Theater, Zirkusgebäude, Kinos – all jene kulturellen Einrichtungen, die anderen Republikzentren erst nach und nach zugestanden wurden, in Taschkent gab es sie immer zuerst. So wurde 1925 in Taschkent ein staatliches Filmstudio eröffnet, welches zu einem der wichtigsten in ganz Mittelasien, wenn nicht gar in der Sowjetunion avancierte. Heute bewegt sich auf ihrem Gelände kaum etwas. Seit der Unabhängigkeit hat die Produktion von Filmen in Usbekistan wie in ganz Mittelasien drastisch abgenommen. In den frühen 1990er Jahren gab es noch einen kurzen Aufschwung und künstlerische Freiheiten. Dann jedoch versiegten die finanziellen und ideellen Quellen für das Filmschaffen in der neugegründeten ‚präsidialen Demokratie’, die sich um ihren Gründungsmythos bemühte, diesen aber lieber in Stein und Bronze auf öffentlichen Plätzen manifestiert.

Im benachbarten Tadschikistan ist die Situation noch schlechter. Viele Filmschaffende haben das Land während und nach dem Bürgerkrieg verlassen und dennoch wirbt die Direktorin von Tajikfilm, Gulandom Muhabbatova, ein wenig hilflos um ausländische Investoren für ihre Studios: „Technik und Crew stehen bereit, so billig kann man sonst nirgendwo drehen ...“ Der Erfolg ist gleich null. In den letzten 10 Jahren konnten nur eine handvoll kleinere Dokumentationen umgesetzt werden. Die staatliche Finanzierung deckt gerade einmal die Verwaltung der seit 1930 bestehenden Kinostudios. Deren technische Ausstattung ist der klägliche Rest aus sowjetischen Zeiten. Digitale Technik gibt es nur privat. Aber auch in Duschanbe gibt es einige junge Filmemacher. Die Aga-Khan-Foundation finanziert eine Film- und Schauspielklasse im ehemaligen Dom Kino. Die semiprofessionelle Ausrüstung wird Schritt für Schritt erweitert. Die Ausbildung übernehmen Filmschaffende, die nicht mehr für Tajikfilm oder das Fernsehen arbeiten wollen oder dürfen. Für die Auszubildenden ist damit der Weg zu den Studios versperrt. Aber zum Fernsehen will eigentlich keiner von ihnen: „Was da läuft und laufen darf, finden wir jungen einfach nur schlecht!“ Die staatlichen Studios sehen in den zahlreich vertretenen internationalen NGO-Projekten in Duschanbe eher Konkurrenz als Bereicherung. So verlegen sich die Studenten auf die Umsetzung von Aufträgen der in Duschanbe zahlreich vertretenen internationalen Organisationen. Diese finanzieren in der Regel kurze Aufklärungsfilme mit vorgegebenen Thematiken aus dem Gesundheits- und Sozialbereich. So macht man zwar Filme, aber die finanzielle Hoheit über die Ideen löst die ideologische der Sowjetzeit nur ab.

Auch in Taschkent sind die kleinen Videostudios, die von Organisationen wie UNICEF oder UNESCO aufgebaut wurden, die bevorzugte Spielwiese für angehende Filmemacher. Die Ausrichtung der Filme ist klar vorgegeben, das Ausprobieren nur möglich, wenn man die jeweiligen Kriterien der Förderinstitution erfüllt. Meist ist die Arbeit selbstverständlich unbezahlt. Für die Realisation eigener Projekte und die Entwicklung einer eigenen Filmsprache bleibt der neuen Generation zentralasiatischer Filmemacher oft keine Zeit.

Daß durchaus die Möglichkeit besteht, gutes Kino in der Region zu produzieren, beweisen Regisseure wie Dareschan Omirbaev (Kasachstan), Dschamid Usmonov (Tadschikistan) oder Ali Khamraev (Usbekistan). Diese noch zu Zeiten der Sowjetunion ausgebildeten Filmemacher haben es geschafft, ausländisches Kapital und Koproduzenten für ihre Projekte zu interessieren. Denn, wie Usmonov sagt: „kann man heute hier fast alles machen was man will, wenn man Geld hat“. Die Hoffnung auf staatliche oder institutionelle Unterstützung haben aber auch sie längst aufgegeben.

Botir wird seinen Abschlußfilm nicht international präsentieren können. Das internationale Filmfest in Almaty war das einzige in ganz Zentralasien und es war auch das bisher letzte. Unter dem Motto „See it from a new perspective“ sollte vor allem ein gemeinsames Forum für die Filmemacher dieser Region geschaffen und ausgebaut werden. Der Kasachische Präsident Nursultan Nazarbajev verweigerte 2001 die Genehmigung für eine Fortführung dieses in Zentralasien einzigen Festivals. „Neue Perspektiven“ unterliegen in den fünf ehemaligen Sowjetrepubliken zehn Jahre nach dem Ende der Sowjetunion nicht nur im Bereich Film der präsidialen Definition. Für viele der Teilnehmer aus Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan gab es bereits 2001 Schwierigkeiten mit Visa und Reisegenehmigungen, so daß einige Filmemacher das Risiko auf sich nahmen, die grüne Grenze zu Fuß zu überqueren. Nun gibt es auch dafür keinen Grund mehr.

 
_last update 24 February, 2004_